„Sozialpartnerschaft funktioniert nicht!“

ABB Arbeiterinnen und Arbeiter aus Frankreich in Zürich Oerlikon

Ein erstauntes Raunen ging durch die Reihen der rund 80 Arbeiterinnen und Arbeiter von ABB France, als ein Tablett mit gekühlten Getränken aus dem ABB Hauptsitz in Oerlikon gefahren kam. „Erst gab es gratis Sandwiches und jetzt gibt es Getränke von der Direktion. Aber über die Entlassungen wollen sie nicht diskutieren, da hören die Geschenke auf“, meinte ein Arbeiter mit der roten Fahne der CGT (Confédération générale du travail) in der Hand. Aus verschiedenen Regionen Frankreichs waren sie angereist um gegen die angekündigten Entlassungen von 540 Kolleginnen und Kollegen zu demonstrieren. Das ist etwa ein Fünftel der 2500 Stellen von ABB in Frankreich. Die Entlassungen sind Teil eines globalen Restrukturierungsprogramms, das ABB aufgrund der Krise durchführt. Auch in den USA und anderen europäischen Ländern werden Stellen gestrichen.

Die Belegschaft in Montluel (nähe Lyon) widersetzte sich der vorherrschenden ökonomischen Logik und trat kurzerhand in den Streik. Sie setzte die Betriebsleitung zwei Stunden lang fest (1, 2, 3). Am nächsten Tag wurde in Chassieu das Werk blockiert (1). Und nun also reisten 80 Arbeiterinnen und Arbeiter nach Zürich Oerlikon um vor der Direktion zu demonstrieren. Sie wollten nur lautstark auf sich und ihr Anliegen aufmerksam machen, meinte ein Arbeiter. Schliesslich seien sie hier nicht bei sich zu Hause. Der Satz liess erahnen, wozu diese Belegschaft in der Lage ist. Bekanntschaft mit der Polizei machten sie trotzdem. Der Wirt eines nahestehenden Lokals fühlte sich durch die Anwesenheit der Demonstranten belästigt, obwohl sie an diesem Tag wohl seine beste Kundschaft waren und für einen schönen Umsatz sorgten. Auch die Direktion widmete der Delegation aus Frankreich eine halbe Stunde ihrer Aufmerksamkeit, von ihren Restrukturierungsplänen wollte sie aber nicht abrücken und verwies die Delegation auf ABB France. Hier werde die Entscheidung getroffen.

Von den Passanten wurden die lautstarken ABB-ArbeiterInnen als exotisches Schauspiel begutachtet oder schlichtweg ignoriert. „Meinen die Leute das sei ein Fussballspiel? GC gegen die CGT?“ wollte ein Arbeiter wissen. Er wurde schnell darüber aufgeklärt, dass fast 50 Jahre „Sozialpartnerschaft“ wohl doch ihre Spuren hinterlassen und eine entschlossene Demonstration von ArbeiterInnen hier eher eine Seltenheit sei. Von der famosen „Sozialpartnerschaft“ halte er nichts, stellte er resolut fest, denn Diskussionen ohne den Druck von militanten Aktionen würden immer zugunsten der „Patrons“ ausgehen. Wer sich auf die ökonomische Argumentation der Unternehmer einlasse, habe schon verloren. Einen Lichtstreifen am Horizont für die Arbeiterbewegung in der Schweiz mochte er aber dennoch ausmachen. Viele junge Menschen seien gekommen und hätten sich erkundigt, worum es hier gehe. „Bei denen liegt eure Zukunft!“

Solidarität mit den Arbeiterinnen und Arbeitern von ABB France!

ABB en colère!