Archiv der Kategorie 'Klassenkampf'

Hintergrundinfos zum Kampf der ZuS (1)

Morgen Montag wird im Kantonsrat über die Integration der Zugchefs S-Bahn (ZuS) in das famose neue Sicherheitskonzept abgestimmt. Seit der starken Demonstration vom 15. September 2010 in Zürich Oerlikon (1 und 2) kämpfen die ZuS gegen ihre Abschaffung. Hier ein Überblick von Hintergrundartikeln über den Kampf der ZuS:

Arbeitsplatzabbau auf der S-Bahn – Für unsere Sicherheit? (13. September 2010 – Rev. Aufbau)

Radiosendung Widerspruch (9. Oktober 2010 – ziemlich gegen den Schluss)

Arbeitskampf – «Man kann sich wehren. Wir machen einen Anfang und versuchen unsere Jobs zu retten» (26. Januar 2011 – Aufbau-Zeitung)

Der Kampf der Zugchefinnen und Zugchefs S-Bahn (Di Schwarzi Chatz – FAU Bern – S. 11)

Arbeitskampf bei den ZugbegleiterInnen

Unterstützt die kämpfenden ZugbegleiterInnen der S-Bahn Zürich!:

Zugbegleitung muss bleiben!
Hände weg von unserer Arbeit!

„Doch jenseits aller technischen Innovationen und Milliar-deninvestitionen ist sich die SBB bewusst, dass wahre Gastgeberqualitäten nicht zuletzt im täglichen Kunden-kontakt gelebt werden müssen“, steht im SBB-Kunden-maga¬zin via 6/2010. Damit wird auf dem Netz des Zür-cher Verkehrsverbundes (ZVV) schon bald Schluss sein. Wenn es nach dem Willen des ZVV-Managements geht, wären für die S-Bahn Fahrgäste spätestens ab 2012 in den Randstunden (ab 21 Uhr und in den Frühzügen an den Wochenenden) nicht mehr systematisch je zwei ZugbegleiterInnen (ZuS) ansprechbar bei Problemen. Rund 300 ZuS würden spätestens Ende 2011 ihre Stelle verlieren.

Diesen Abbau an Kundendienst versucht das ZVV-Management der bahnfahrenden Bevölkerung mit der Behauptung schmackhaft zu machen, durch den „flexible-ren Einsatz“ des neu zu schaffenden Sicherheitsdienstes unter der Leitung der SBB-Transportpolizei würde die Si-cherheit für Fahrgäste und Personal verbessert: „Daher sind vor allem bei der Gewährleistung der Sicherheit abends und nachts sowie generell bei der Effizienz der Einnahmensicherung differenziertere Massnahmen an-gezeigt, damit die Anzahl Schwarzfahrer klein und die Si-cherheitslage stabil bleibt“, heisst es in der Medienmittei-lung. Stabil wird die Sicherheitslage damit sicher nicht!

Einnahmensicherung mit der Bahnpolizei…

Von der Zugbegleitung bleiben für die Fahrgäste künftig nur noch Razzia ähnliche Grosskontrollen übrig: „Bei den künftigen Grosskontrollen kommen neu gleich mehrere Ticketkontrolleure, Sicherheitsmitarbeiter und Polizisten zum Einsatz. Ob letztere neben dem Schlagstock und dem Pfefferspray auch eine Schusswaffe tragen dürfen, muss der Bundesrat noch entscheiden.“ (20Minuten, 01.09.2010) Das wären dann neu die „wahren Gastgeberqualitäten“ der SBB! Der Fahrgast würde nicht mehr als Kunde, sondern als potentieller Schwarzfahrer behandelt. Kein Wunder, dass es bereits jetzt empörte Reaktionen gibt: „Gerade abends und nachts bin ich immer froh, hat es die Zugbegleiter auf den Zügen. Sie sind freundlich, nett und geben gerne Aus¬kunft. Ausserdem fühle ich mich sicher. Vor so Securitastypen, die aussehen wie aufgepumpte Knastis, hätte ich eher Angst. Sollte das so kommen, werde ich mir Alternativen einfallen lassen, denn mit der SBB werden ich dann nicht mehr fahren“, schreibt bei-spielsweise eine 20Minuten-Leserin.

Gezielte Hetzjagden auf Schwarzfahrer, die Transportpo-lizei mit einer Pistole bewaffnet, sofern der Bundesrat will, ebenso wie provozierendes Auftreten mit Schlag-stock und Pfefferspray, schüren erst recht Aggressionen und erzeugen unnötige Konflikte. Das würde bei den Fahrgästen zweifellos eine Stimmung der Angst schüren und Konflik-te heraufbeschwören, aber kaum zusätzliche Einkünfte verschaffen.

Wir sind für die Fahrgäste da und lassen uns nicht abschaffen!

Der Kostenspardruck muss wahrhaftig gross sein, wenn den Verantwortlichen nichts Gescheiteres eingefallen ist als ein derart undurchdachtes und unsinniges „Sicher-heitskonzept“! Managern, deren einzige Fähigkeit darin besteht, durch Arbeitsplatzabbau Personalkosten zu spa-ren, empfehlen wir, am besten bei sich selbst anzufan-gen… Und zwar nicht nur beim ZVV und bei den SBB!

Wir ZugbegleiterInnen sagen laut und deutlich NEIN zu einem „Sicherheitskonzept“ auf dem Buckel von Fahrgäs-ten und Personal! Wir kämpfen für unsere Arbeit und wol-len auch weiterhin für unsere Fahrgäste da sein! ZVV und SBB sind öffentliche Unternehmen und sollen der Bevölkerung dienen! Zusammen mit unseren Fahrgästen wehren wir uns für das bewährte Konzept der Zugbeglei-tung!

Wir fordern:

WEG MIT DEM UNSINNIGEN
SICHERHEITSKONZEPT!
ZUGBEGLEITUNG MUSS BLEIBEN!

Die kämpfenden ZugbegleiterInnen haben einen Blog aufgeschaltet: http://zusforever.blogsport.de/

„Sozialpartnerschaft funktioniert nicht!“

ABB Arbeiterinnen und Arbeiter aus Frankreich in Zürich Oerlikon

Ein erstauntes Raunen ging durch die Reihen der rund 80 Arbeiterinnen und Arbeiter von ABB France, als ein Tablett mit gekühlten Getränken aus dem ABB Hauptsitz in Oerlikon gefahren kam. „Erst gab es gratis Sandwiches und jetzt gibt es Getränke von der Direktion. Aber über die Entlassungen wollen sie nicht diskutieren, da hören die Geschenke auf“, meinte ein Arbeiter mit der roten Fahne der CGT (Confédération générale du travail) in der Hand. Aus verschiedenen Regionen Frankreichs waren sie angereist um gegen die angekündigten Entlassungen von 540 Kolleginnen und Kollegen zu demonstrieren. Das ist etwa ein Fünftel der 2500 Stellen von ABB in Frankreich. Die Entlassungen sind Teil eines globalen Restrukturierungsprogramms, das ABB aufgrund der Krise durchführt. Auch in den USA und anderen europäischen Ländern werden Stellen gestrichen.

Die Belegschaft in Montluel (nähe Lyon) widersetzte sich der vorherrschenden ökonomischen Logik und trat kurzerhand in den Streik. Sie setzte die Betriebsleitung zwei Stunden lang fest (1, 2, 3). Am nächsten Tag wurde in Chassieu das Werk blockiert (1). Und nun also reisten 80 Arbeiterinnen und Arbeiter nach Zürich Oerlikon um vor der Direktion zu demonstrieren. Sie wollten nur lautstark auf sich und ihr Anliegen aufmerksam machen, meinte ein Arbeiter. Schliesslich seien sie hier nicht bei sich zu Hause. Der Satz liess erahnen, wozu diese Belegschaft in der Lage ist. Bekanntschaft mit der Polizei machten sie trotzdem. Der Wirt eines nahestehenden Lokals fühlte sich durch die Anwesenheit der Demonstranten belästigt, obwohl sie an diesem Tag wohl seine beste Kundschaft waren und für einen schönen Umsatz sorgten. Auch die Direktion widmete der Delegation aus Frankreich eine halbe Stunde ihrer Aufmerksamkeit, von ihren Restrukturierungsplänen wollte sie aber nicht abrücken und verwies die Delegation auf ABB France. Hier werde die Entscheidung getroffen.

Von den Passanten wurden die lautstarken ABB-ArbeiterInnen als exotisches Schauspiel begutachtet oder schlichtweg ignoriert. „Meinen die Leute das sei ein Fussballspiel? GC gegen die CGT?“ wollte ein Arbeiter wissen. Er wurde schnell darüber aufgeklärt, dass fast 50 Jahre „Sozialpartnerschaft“ wohl doch ihre Spuren hinterlassen und eine entschlossene Demonstration von ArbeiterInnen hier eher eine Seltenheit sei. Von der famosen „Sozialpartnerschaft“ halte er nichts, stellte er resolut fest, denn Diskussionen ohne den Druck von militanten Aktionen würden immer zugunsten der „Patrons“ ausgehen. Wer sich auf die ökonomische Argumentation der Unternehmer einlasse, habe schon verloren. Einen Lichtstreifen am Horizont für die Arbeiterbewegung in der Schweiz mochte er aber dennoch ausmachen. Viele junge Menschen seien gekommen und hätten sich erkundigt, worum es hier gehe. „Bei denen liegt eure Zukunft!“

Solidarität mit den Arbeiterinnen und Arbeitern von ABB France!

ABB en colère!

Solidarität mit Ernst!

Heute, am 10. Juni 2009, zeigten sich rund 20-30 Personen – darunter auch militante Arbeiter der Firma Clariant aus Basel – vor dem Gelände der Firma Benninger / Karl Mayer AG solidarisch mit dem entlassenen Ernst G., welcher dort während 39 Jahren arbeitete und sich aktiv für die ArbeiterInnen in der Firma einsetzte. Ernst (55) ist nur einer von vielen, die entlassen werden, weil sie den Mut haben sich zu wehren oder ganz einfach, weil die Unternehmer sie durch jüngere Arbeitskräfte ersetzen wollen, die sich besser ausbeuten lassen.
Die Basisgruppe Bahn war ebenfalls vor Ort und suchte das Gespräch mit den ArbeiterInnen. Dies gelang, obwohl die Firmenleitung eigens Sicherheitsleute engagiert hatte, um die ArbeiterInnen zu kontrollieren, den Protestierenden den Zugang zum Areal zu erschweren und die verschiedenen Zugänge zum Areal zu bewachen. Diese Haltung der Firmenleitung zeigt: Sie haben Angst, sie fürchten den Protest und die einsetzende Solidaritätskampagne, welche neben der Gewerkschaft Unia auch von nicht-gewerkschaftlichen Gruppen, Organisationen und Bündnissen unterstützt wird. Wir werden solange gegen diese Entlassung protestieren, bis Ernst wieder eingestellt wird!

Entlassen wurde Ernst – Gemeint sind wir alle!
Solidarität mit Ernst!

+ Petition unterschreiben

Bilder der Kundgebung:

Kundgebung

Arbeiter der Firma Clariant hält eine Rede und betont die Wichtigkeit der überregionalen, überbetrieblichen Solidarität und der kompromisslosen Arbeitskämpfe
Rede Clariant

Ernst hält eine Rede
Rede Ernst

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