Archiv der Kategorie 'Zug um Zug'

Arbeitskampf bei den ZugbegleiterInnen

Unterstützt die kämpfenden ZugbegleiterInnen der S-Bahn Zürich!:

Zugbegleitung muss bleiben!
Hände weg von unserer Arbeit!

„Doch jenseits aller technischen Innovationen und Milliar-deninvestitionen ist sich die SBB bewusst, dass wahre Gastgeberqualitäten nicht zuletzt im täglichen Kunden-kontakt gelebt werden müssen“, steht im SBB-Kunden-maga¬zin via 6/2010. Damit wird auf dem Netz des Zür-cher Verkehrsverbundes (ZVV) schon bald Schluss sein. Wenn es nach dem Willen des ZVV-Managements geht, wären für die S-Bahn Fahrgäste spätestens ab 2012 in den Randstunden (ab 21 Uhr und in den Frühzügen an den Wochenenden) nicht mehr systematisch je zwei ZugbegleiterInnen (ZuS) ansprechbar bei Problemen. Rund 300 ZuS würden spätestens Ende 2011 ihre Stelle verlieren.

Diesen Abbau an Kundendienst versucht das ZVV-Management der bahnfahrenden Bevölkerung mit der Behauptung schmackhaft zu machen, durch den „flexible-ren Einsatz“ des neu zu schaffenden Sicherheitsdienstes unter der Leitung der SBB-Transportpolizei würde die Si-cherheit für Fahrgäste und Personal verbessert: „Daher sind vor allem bei der Gewährleistung der Sicherheit abends und nachts sowie generell bei der Effizienz der Einnahmensicherung differenziertere Massnahmen an-gezeigt, damit die Anzahl Schwarzfahrer klein und die Si-cherheitslage stabil bleibt“, heisst es in der Medienmittei-lung. Stabil wird die Sicherheitslage damit sicher nicht!

Einnahmensicherung mit der Bahnpolizei…

Von der Zugbegleitung bleiben für die Fahrgäste künftig nur noch Razzia ähnliche Grosskontrollen übrig: „Bei den künftigen Grosskontrollen kommen neu gleich mehrere Ticketkontrolleure, Sicherheitsmitarbeiter und Polizisten zum Einsatz. Ob letztere neben dem Schlagstock und dem Pfefferspray auch eine Schusswaffe tragen dürfen, muss der Bundesrat noch entscheiden.“ (20Minuten, 01.09.2010) Das wären dann neu die „wahren Gastgeberqualitäten“ der SBB! Der Fahrgast würde nicht mehr als Kunde, sondern als potentieller Schwarzfahrer behandelt. Kein Wunder, dass es bereits jetzt empörte Reaktionen gibt: „Gerade abends und nachts bin ich immer froh, hat es die Zugbegleiter auf den Zügen. Sie sind freundlich, nett und geben gerne Aus¬kunft. Ausserdem fühle ich mich sicher. Vor so Securitastypen, die aussehen wie aufgepumpte Knastis, hätte ich eher Angst. Sollte das so kommen, werde ich mir Alternativen einfallen lassen, denn mit der SBB werden ich dann nicht mehr fahren“, schreibt bei-spielsweise eine 20Minuten-Leserin.

Gezielte Hetzjagden auf Schwarzfahrer, die Transportpo-lizei mit einer Pistole bewaffnet, sofern der Bundesrat will, ebenso wie provozierendes Auftreten mit Schlag-stock und Pfefferspray, schüren erst recht Aggressionen und erzeugen unnötige Konflikte. Das würde bei den Fahrgästen zweifellos eine Stimmung der Angst schüren und Konflik-te heraufbeschwören, aber kaum zusätzliche Einkünfte verschaffen.

Wir sind für die Fahrgäste da und lassen uns nicht abschaffen!

Der Kostenspardruck muss wahrhaftig gross sein, wenn den Verantwortlichen nichts Gescheiteres eingefallen ist als ein derart undurchdachtes und unsinniges „Sicher-heitskonzept“! Managern, deren einzige Fähigkeit darin besteht, durch Arbeitsplatzabbau Personalkosten zu spa-ren, empfehlen wir, am besten bei sich selbst anzufan-gen… Und zwar nicht nur beim ZVV und bei den SBB!

Wir ZugbegleiterInnen sagen laut und deutlich NEIN zu einem „Sicherheitskonzept“ auf dem Buckel von Fahrgäs-ten und Personal! Wir kämpfen für unsere Arbeit und wol-len auch weiterhin für unsere Fahrgäste da sein! ZVV und SBB sind öffentliche Unternehmen und sollen der Bevölkerung dienen! Zusammen mit unseren Fahrgästen wehren wir uns für das bewährte Konzept der Zugbeglei-tung!

Wir fordern:

WEG MIT DEM UNSINNIGEN
SICHERHEITSKONZEPT!
ZUGBEGLEITUNG MUSS BLEIBEN!

Die kämpfenden ZugbegleiterInnen haben einen Blog aufgeschaltet: http://zusforever.blogsport.de/

Ältere News

11. Dezember 08: Kommentar zu den gescheiterten Lohnverhandlungen:
Wo bleibt unser Rettungspaket?

Dezember 08: Die neue Wandzeitung der Basisgruppe Bahn ist erschienen. Diskutiert mit euren Kolleginnen und Kollegen und schliesst euch zusammen!

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05.12.08: Verhandlungen über SBB-Löhne gescheitert

28.11.08: Industriewerk Bellinzona geht von SBB Cargo zu Personenverkehr

Dezember 08: Die Kolleginnen und Kollegen bei der Deutschen Bahn haben eine Solidaritätsbotschaft nach Bellinzona geschickt:

solibotschaft standpunkt

Dezember: Das Solidaritätskomitee Zürich zeigt den Film über den Officine-Kampf
Samstag, 13. Dezember, 18.30 Uhr, Unia-Hochhaus Zürich
Weitere Informationen

27.11.08: Auf die dringendsten Fragen der Kollegen im IW Bellinzona wollten die „Gesprächspartner“ der SBB keine Antworten geben – Deshalb war für diesen Freitag kurzfristig zu einer Kundgebung in bern mobilisiert worden. Die Konzernleitung – wohl unter Druck gesetzt durch den den Bund – lenkte aufgrund dieser angekündigten Protestaktion ein. Wohl nicht zuletzt weil diese kollektive Aktion den Charakter einer erneuten Arbeitsniederlegung hätte. Nun wurden neue Gespräche am runden Tisch angekündigt. Dort soll dann hauptsächlich über einen Businessplan für das IW Bellinzona diskutiert werden, der über das Jahr 2010 hinaus reicht. Wir bleiben dran.
Officine Bellinzona
Mail aus den Officine

September 08: Ein Bericht zur aktuellen Situation bei SBB Cargo Güterverkehr und den Werkstätten in Bellinzona findet sich hier

Mai/Juni 08: Unsere erste Wandzeitung steht zum Download bereit. Die Wandzeitung darf natürlich beliebig vervielfältigt, verteilt und aufgehängt werden.
PDF-Download

01.06.08: Wir veröffentlichen die Übersetzung eines Interviews mit Gianni Frizzo.
Interview Frizzo (PDF)

Mai 08: Die Schweizer Sektion der Revolutionären Sozialistischen Organisation (RSO) hat eine fundierte Analyse des Streiks in Bellinzona geschrieben. Sie ist in zwei Teilen erschienen, die wir hier publizieren: Teil 1, Teil 2.

April 08: Radio DRS hat eine Sendung zum Streik in Bellinzona produziert, welche wir als wertvolle Informationsquelle erachten. Die Sendung „Doppelpunkt“ kann über folgenden Link runtergeladen werden:
Doppelpunkt hören

15.05.08: Die SBB und die Freiburger Kantonsregierung verkünden die definitive Schliessung des Kunden-Service-Centers (KSC) in Freiburg. Informationen und Kommentare über diesen verlorenen Arbeitskampf in der Rubrik KSC Fribourg

23.04.08: Die Unia-Jugend organisiert eine Veranstaltung mit Matteo Pronzini (Unia Tessin) und am Streik beteiligten Arbeitern. Mittwoch, 23.4.08, 19:30, Alte Kaserne, Winterthur
Vortrag von Unia-Funktionär Pronzini hören
Diskussion hören

05.04.08: Der Streik in Bellinzona wird für zei Monate unterbrochen. In dieser Zeit finden Verhandlungen zwischen Gewerkschaften, Streikkomitee und SBB statt. Wie es in Fribourg und den anderen betroffenen Standorten weitergeht, ist weiterhin unklar. Mitteilung Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

– 27.03.08: Das Dokument „Vereinbarung betreffend IW Bellinzona“, welches am 27.03.08 von der SBB aufgesetzt wurde, steht zum download bereit. Im neuen Vorschlag geht der SBB-Verwaltungsrat einen kleinen Schritt auf die Arbeiter in Bellinzona zu, die zentralen Punkte und vor allem die Zukunft der anderen betroffenen IW und KSC werden nicht thematisiert. Offensichtlich will die SBB mit ihrem Entwurf nur den Streik in Bellinzona brechen und bei den anderen Bereichen abwarten. DOWNLOAD

- 25.03.08: Das Dokument „Entwurf für ein Abkommen“, welches der SBB-Verwaltungsrat am „runden Tisch“ (21.03.08) einbrachte, steht zum DOWNLOAD bereit

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Die SBB-Tochtergesellschaft SBB Cargo will über 400 Stellen im Bereich Güterverkehr abbauen. Betroffen sind die Standorte Bellinzona (Lokomotiv- und Güterwagen-Werkstätte), Fribourg (Kunden Service Center), Biel (Kesselwagen-Unterhalt) und Basel (Hauptsitz).

Am 7. März 2008 ist die gesamte Belegschaft im Industriewerk (IW) Bellinzona in den Streik getreten, das Kunden Service Center (KSC) wird täglich mit verlängerten Pausen blockiert.

Wir informieren in der Rubrik Streik in Bellinzona – SBB Cargo über aktuelle Entwicklungen im ersten Streik im Bahnsektor seit dem Generalstreik 1918.

Kurze Zusammenfassung der Ereignisse (Gewerkschaft SEV)

Giù le mani dalle Officine! – Hände weg von den Werken!

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Der Streik, das unbekannte Wesen

Die Zeichen stehen auf Sturm! Noch Ende September hatte Benedikt Weibel verlauten lassen, dass in seinen „bald 14 Jahren an der Spitze der SBB in jedem sozialen Konflikt eine Lösung gefunden wurde“. Doch inzwischen ist selbst für die Neue Zürcher Zeitung, dem Leitblatt der Bürgerlichen, ein Streik bei der Bahn kein Ding der Unmöglichkeit mehr. In der Wochenendausgabe vom 4./5. November heisst es da: „Kommt es zu keiner Einigung, herrscht bei den SBB ab 2007 ein vertragsloser Zustand. Man darf gespannt sein, wie Steuerzahler und Konsumenten als Arbeitgeber und Kunden der SBB reagieren würden, sollten Züge in der Januarkälte wegen eines Arbeitskampfes ausfallen. Anders als bei regionalen Arbeitskämpfen wären streikende Bähnler und ihre Arbeitsbedingungen sofort ein nationales Thema.“ Alle reden von Streik, doch niemand weiss so recht, was das ist. Aus diesem Grund haben sich einige interessierte BähnlerInnen zusammengesetzt, sich Gedanken gemacht und ein wenig recherchiert.

Was ist eigentlich ein Streik? Das Wort kommt vom englischen „to strike“ und heisst: die Arbeit mit Nachdruck niederlegen, um entweder eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erreichen oder aber ihre Verschlechterung abzuwehren. Der Streik ist seit dem Beginn der Industrialisierung die schärfste Waffe der ArbeiterInnen um ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und ihre Forderungen durchzusetzen (Die verschiedenen Streikformen sind auf der Rückseite aufgelistet). Dass der Streik als Kampfmittel bis heute notwendig ist, liegt an unserem Wirtschaftssystem. Darin herrscht eine unversöhnlicher Widerspruch zwischen dem Unternehmen und den ArbeiterInnen. Einerseits muss der Betrieb die Produktionskosten senken bzw. die Produktivität steigern um in der Konkurrenz zu bestehen. Die ArbeiterInnen wollen aber andererseits ein angenehmes Leben führen und darum wehren sie sich gegen die Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen durch das Unternehmen. Aus diesem gespannten Verhältnis erwächst immer wieder die Notwendigkeit, sich mittels Streik zu wehren.

Viele Menschen ist der Streik bis jetzt nur dann begegnet, wenn sie mit dem Zug eine Reise ins Ausland machen wollten und die örtliche Bahngesellschaft mal wieder streikte. Doch bis Ende der vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde auch in der Schweiz sehr oft gestreikt. Ab den fünfziger Jahren nahm die Häufigkeit der Streiks zunehmend ab, weil die gute Wirtschaftslage erlaubte, mit den Unternehmern gute Gesamtarbeitsverträge abzuschliessen. Doch selbst in Zeiten der Hochkunjunktur wie den 50er- und 60er-Jahren gab es Arbeitskämpfe in der Schweiz, sie wurden bloss ignoriert und weitgehend vergessen. Seit dem Ende der achtziger Jahre ist ein vermehrter Druck auf die erkämpften Arbeitsbedingungen von Seiten der Unternehmer zu spüren. In der neuen Bundesverfassung wurde dann 1998 das Streikrecht endgültig verankert: „Streik und Aussperrung sind zulässig, wenn sie Arbeitsbeziehungen betreffen und wenn keine Verpflichtungen entgegenstehen, den Arbeitsfrieden zu wahren oder Schlichtungsverhandlungen zu führen.“ (Artikel 28, Absatz 3) Herrscht also ein vertragsfreier Zustand, wie er bei der SBB Anfang 2007 droht, dann ist ein Streik der ArbeiterInnen erlaubtes Mittel zur Durchsetzung ihrer Rechte. Selbst wenn es zu einem Streik ohne Gewerkschaftsbeteiligung, einem wilden Streik, kommt, ist das zulässig. Von Seiten der Unternehmer wird bei einem Streik versucht, die Streikenden mit der Drohung einer fristlosen Entlassung unter Druck zu setzen. Wegen der Teilnahme an einem Streik darf jedoch niemand entlassen werden, und schon gar nicht fristlos.

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