Nach Abschluss des Gesamtarbeitsvertrages im Dezember 2006 gab es eine Reihe kritischer Äusserungen von Arbeiterinnen und Arbeitern. Diese kritischen Stimmen sollen hier nach und nach dokumentiert werden.

Griff in die Lohntüte

Bei den GAV-Verhandlungen hat die SBB-Geschäftsleitung ein ausgezeichnetes Resultat errungen. Die SEV-Verhandler haben ihr Versprechen, auf einem gleichwertigen GAV zu bestehen, nicht gehalten. Nachdem schon beim GAV 2 die Produktivität jedes Mitarbeitenden um rund 1600 Minuten gesteigert wurde (plus 1,8 Prozent bei gleichem Lohn), erhöht der GAV 3 die Arbeitszeit um eine Stunde oder 2,5 Prozent und gibt dafür 1,5 Prozent mehr Lohn plus einen Ferientag, total 1,9 Prozent. Die SBB gewinnt also 0,6 Prozent auf Kosten ihrer Mitarbeitenden.

Die Einbussen setzen sich fort:

- Generelle Lohnerhöhung: Wegen der höheren Steuerbelastung und der aufgelaufenen Teuerung resultiert eine Einkommensverminderung!

- Nacht- und Sonntagszuschläge, Tagespauschale: trotz höheren Sätzen Einbussen pro Leistung von ca. 4 Prozent. Durch minutengenaue Abrechnung geht ein weiteres Prozent verloren.

- NBU: Unter Berücksichtigung der kalten Progression kompensiert die Lohnerhöhung 0,5 Prozent die Übernahme der vollen Prämie durch die Mitarbeitenden nicht.

- Regionalzulage: Hier ist für den Arbeitsort Winterthur künftig eine Einbusse sehr wahrscheinlich.

- Berufliche Vorsorge: Laut Lohnabrechnung Januar steigen meine Abzüge um 24 Prozent.

Fazit: Ich leiste mehr und verdiene 2007 weniger als 2006. Bei alldem erstaunt es mich immer wieder, wie gerne und engagiert ich die Fahrgäste betreue.

R. S., Zugchef S-Bahn, Winterthur (Leserbrief in SBB-Zeitung Nr. 3 vom 7. Februar 2007, S. 11)

Die gewerkschaftlichen Sonntagsreden am 1. Mai verhallen ungehört und sind nicht glaubwürdig, wenn die Redner einige Monate vorher einen GAV unterschrieben haben, der deutlich schlechter als der alte ist. Nach drei Pleiten in kurzer Folge (GAV, Pensionskasse, FVP) sind nicht wenige Mitglieder enttäuscht und unzufrieden mit der Leistung der Gewerkschaften. Mit den nächsten Lohnverhandlungen besteht die Chance, das lädierte Image wieder aufzupolieren. Die deutsche Transnet hat kürzlich der DB ihre Lohnforderungen unterbreitet. Angesichts des guten Geschäftsgangs werden 7 Prozent gefordert. Damit legt sie die Messlatte auf ein hohes Niveau. Damit ist für den SEV eine Orientierungsmarke gesetzt, er wird daran gemessen werden.

R. Sch., Winterthur, Arbeit & Verkehr Nr. 27/28, 3. Juli 2007, 87. Jahrgang. Teile eines Leserbriefes.

Zum Streik der Bähnler in Deutschland:

TAZ: Bahnverkehr vor Kollaps (02.07.07)

TAZ: Streik bei der Bahn (02.07.07)

Edit:

Junge Welt: Alle Räder stehen still (03.07.07)

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