SBB Cargo hebt 165 Arbeitsplätze in Freiburg auf, verspricht aber neue Jobs

Wie im März angekündigt, wird das Kunden-Service-Center von Freiburg nach Basel verlegt. Dafür soll eine neue SBB-Personalabteilung 50 bis 100 neue Stellen bringen.

Regula Saner

In einer am Donnerstag unterzeichneten Vereinbarung verpflichten sich die SBB, ab 2009 im Kanton Freiburg 50 bis 100 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Geplant ist die Ansiedlung eines Service-Centers der SBB-Personalabteilung, wie SBB-Chef Andreas Meyer an einer Medienkonferenz erklärte. Das ist ein Teil der vom Staatsrat ausgehandelten Kompensation für die definitive Schliessung des Kunden-Service-Centers in Freiburg (KSC). Heute ist der Bereich Personal in verschiedenen Divisionen, vor allem in Bern, untergebracht, wie SBB-Mediensprecher Jean-Louis Scherz auf Anfrage bestätigte. «Eigentlich wird nicht neues Personal rekrutiert, dieses wird eher nach Freiburg verlegt.» Aber noch sei es zu früh, etwas Definitives zu sagen.

Abgeltung für kantonale Wirtschaftsfördermittel

Die Vereinbarung zwischen den SBB und dem Kanton Freiburg sieht auch vor, dass das Transportunternehmen wirksam und dauerhaft den öffentlichen Verkehr im Kanton Freiburg ausbaut. Dazu gehört der Bau einer S-Bahn-Haltestelle bei der Eishalle St. Leonhard. Die SBB haben sich verpflichtet, den Bau schon 2010/11 anzupacken. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten 2013 starten. Die SBB werden auch mehr an die Baukosten beitragen, als es der normale Kostenteiler vorsieht (35 Prozent Bund, 65 Kanton, anstatt 20 Prozent Bund, 80 Kanton). Zudem übernehmen die SBB während fünf Jahren die Folgekosten von jährlich einer halben Million Franken. «Damit gelten wir unter anderem die vom Kanton geleisteten Wirtschaftsfördermittel beim Aufbau des KSC ab», erklärte SBB-Chef Andreas Meyer.
S-Bahn-Projekt

Im Weiteren sollen die SBB der TPF helfen, eine S-Bahn im Grossraum Freiburg-Lausanne-Neuenburg-Bern umzusetzen. In einem ersten Schritt beabsichtigen die Parteien bis 2014 einen durchgehenden Halbstundentakt auf den Strecken, die nach Freiburg führen. Und eine stündliche direkte Verbindung Bulle-Romont-Freiburg. Ein konkreter Aktionsplan soll bis im Oktober 2008 ausgearbeitet werden.

Ausbau der Linie Bern-Freiburg-Lausanne

Im Rahmen der zukünftigen Entwicklung der Bahninfrastruktur (ZEB) sollen die Sitzplatzkapazitäten ausgebaut und die Reisezeiten zwischen Bern und Lausanne um 15 Minuten gekürzt werden. Die SBB und der Staatsrat einigten sich schliesslich in diesem Zusammenhang darauf, dass sie sich gemeinsam für eine rasche Realisierung und rechtzeitige Finanzierung der notwendigen Ausbauten auf der Achse Bern-Lausanne einsetzen. Die SBB verpflichten sich dabei die entsprechenden baulichen Massnahmen (z. B. auf der Linie Vauderens-Villars-sur-Glâne) in die Planung einzubeziehen.
Gemäss Staatsratspräsident Corminboeuf sind die Zusagen zu den Ausbauprojekten, welche der Kanton der SBB habe abringen können, keine Selbstverständlichkeit. «Für all diese Projekte hatten wir bis heute keine Garantien.»

Staatsrat bedauert Schliessung des KSC

Obwohl mit den SBB eine Übereinkunft gefunden worden sei, «bedauern wir die Verlegung des KSC nach Basel», sagte Staatsratspräsident Pascal Corminboeuf. Aber er könne auch feststellen: «Der Gesamtarbeitsvertrag der SBB für die Mitarbeitenden des KSC ist vorteilhaft. Sonst wäre der Staatsrat nicht auf die Lösung eingetreten.» Gemäss dem GAV kann kein Mitarbeiter entlassen werden. Der Abbau erfolgt über natürliche Abgänge oder durch Umschulungen.
Gegenüber den FN betonte Corminboeuf nochmals: «Wenn Arbeitsplätze verschwinden, kann man nie von einem Erfolg reden.» Man könne insofern von einem mittelfristigen Erfolg reden, als mit dem versprochenen Personalcenter wieder qualifizierte Arbeitsplätze nach Freiburg kämen. Auf die Frage, was das dem Kanton bringe, wenn Leute, die heute in Bern arbeiteten, nach Freiburg zur Arbeit pendelten, erwiderte Corminboeuf: «Am Anfang pendeln sie, aber mit der Zeit lässt sich vielleicht doch der eine oder andere in Freiburg nieder.» Der Staatsrat habe zudem die Hoffnung, dass die SBB in der Schweiz nur ein und nicht zwei Zentren im Bereich «Personal» schaffen würden. Aber das sei noch offen.

Harte Verhandlungen geführt

Die Verhandlungen zwischen den SBB und dem Kanton Freiburg seien hart gewesen, sagten beide Seiten. Meyer bezeichnete seine Gesprächspartner als zäh. Corminboeuf liess durchblicken, dass er nicht immer glücklich war mit der Haltung der SBB. Die Verhandlungen seien «in der zweiten Hälfte korrekt» abgelaufen, sagte er. Die SBB haben sich auch zurückhaltend gezeigt, den Schliessungsentscheid mit Zahlen zu begründen.

In Zukunft wollen sich die Geschäftsleitung der SBB und der Staatsrat mindestens einmal jährlich zu einem Informations- und Meinungsaustausch treffen.

Quelle: Freiburger Nachrichten

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