SBB Cargo beschäftigt Politik
Die Arbeiter des SBB-Industriewerks Bellinzona haben sich gestern in Bern gegen drohenden Stellenabbau gewehrt.

Nach den Berichten dieser Zeitung über einen möglichen Stellenabbau bei SBB Cargo machen Angestellte und Gewerkschaften nun Druck auf die SBB: In einem Umzug vom Berner Bahnhof zum nahegelegenen SBB- Hauptsitz skandierten Demonstranten auf Italienisch Parolen wie: «Hände weg von unserem Werk.» Laut Angaben der Eisenbahnergewerkschaft SEV sind rund 280 Arbeiter des Industriewerkes Bellinzona mit dem Zug nach Bern gereist.

Treffen mit SBB-Chef
Eine entsprechende Resolution war am Montag an einer Personalversammlung in Bellinzona verabschiedet worden. Die Arbeiter wehren sich darin gegen jegliche Pläne für eine Schliessung des Industriewerkes in Bellinzona oder eine Restrukturierung mit Arbeitsplatzabbau. Nach Informationen von Insidern sollen in Bellinzona über 200 Stellen abgebaut werden. Das SBB-Werk hat derzeit 430 Arbeitsplätze. SBB-Chef Andreas Meyer, der eine Delegation der Demonstranten empfing, zeigte Verständnis: «Ich nehme die Anliegen unserer Mitarbeiter und des Kantons Tessin ernst.» Das Gespräch mit der Delegation sei konstruktiv gewesen.

Verschiedene Tessiner Bundesparlamentarier und Kantonspolitiker begleiteten die Arbeiter auf ihrem Umzug – unter ihnen der Tessiner Staatsrat Marco Borradori (Lega).

Gegen einen Stellenabbau will sich die Tessiner Regierung mit Entschlossenheit zur Wehr setzen, wie sie gestern mitteilte. Zu diesem Zweck werden die drei Tessiner Staatsräte Patrizia Pesenti (SP), Laura Sadis (FDP) und Borradori heute in Bern vorsprechen. Auf dem Programm steht ein Treffen mit dem Verwaltungsrat und der Generaldirektion der SBB.

Die missliche Lage bei SBB Cargo wird auch die nationale Politik auf den Plan rufen. Der Freiburger Ständerat Urs Schwaller (CVP), Mitglied der Finanzdelegation, betont auf Anfrage, dass diese Entwicklung die Politik sicher beschäftigen wird: «Zuerst müssen wir jetzt aber auf die konkreten Zahlen warten.» Bereits in der Fragestunde des Nationalrates von kommender Woche dürfte der sich abzeichnende Verlust von SBB Cargo und die Teilprivatisierungsbegehren von Exponenten wie dem Nutzfahrzeugverband Astag thematisiert werden.

Information Mitte März
Die allfälligen Abbaupläne bei SBB Cargo sind nach Informationen dieser Zeitung schon weit fortgeschritten. Insgesamt könnten bis zu 400 der 4400 Stellen gestrichen werden. Eine Orientierung soll laut SBB-Sprecher Roland Binz Mitte März stattfinden. «Sobald Entscheide gefallen sind, wird die Öffentlichkeit informiert.» bzw/bzs/sda

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