In Freiburg droht die Schliessung
In Freiburg sind bei SBB Cargo 180 Arbeitsplätze von einem Abbau bedroht. Freiburger Politiker versuchten bei den SBB-Verantwortlichen noch Einfluss zu nehmen. Möglicherweise zu spät. Heute soll entschieden werden.

Bei SBB Cargo steht ein grosses Restrukturierungsprogramm vor der Tür. Davon betroffen sind wahrscheinlich auch die 180 Stellen beim Kunden-Service-Center (KSC) von SBB Cargo in Freiburg. Eine Freiburger Delegation bestehend aus dem Staatsratspräsidenten Pascal Corminboeuf, der Freiburger Wirtschaftsförderung und weiteren Staatsräten hatte am Montag dieser Woche ein Treffen mit SBB-Chef Andreas Meyer und SBB-Verwaltungsratspräsident Thierry Lalive d’Epinay, wie die «Freiburger Nachrichten» berichteten. Ziel des Treffens sei es gewesen, mit allen möglichen Mitteln eine Schliessung des SBB-Cargo-Kunden-Service-Centers zu verhindern. Wahrscheinlich werden die Arbeitsplätze in Freiburg nach Basel zum Hauptsitz von SBB Cargo transferiert. Staatsrat Beat Vonlanthen (CVP), der selber beim Treffen dabei war, sagte gegenüber den «Freiburger Nachrichten», dass es für einen positiven Entscheid wohl zu spät sei. «Uns schien, dass der Zug mehr oder weniger abgefahren ist», sagte er. So hätten die SBB-Verantwortlichen etwa regionalpolitische Argumente klar abgelehnt. Vonlanthen wolle aber auf jeden Fall weiterkämpfen.

Gegen Treu und Glauben
Die Delegation habe versucht, der SBB-Spitze deutlich zu machen, dass eine Schliessung des Cargo-Standortes in Freiburg gegen Treu und Glauben verstossen würde. So habe der Kanton Freiburg 1999 bei der Ansiedelung des Kunden-Service-Centers Wirtschaftsfördermittel eingesetzt. Dies in der Hoffnung, nachhaltige Arbeitsplätze im Kanton zu schaffen. Dieser Vertrag gelte noch bis im Jahr 2009. Ein weiteres Argument für die Freiburger Regierung ist, dass SBB Cargo zu hundert Prozent vom Bund getragen wird. Demzufolge müsste die SBB für eine angemessene Verteilung der insgesamt 4400 Cargo-Arbeitsplätze sorgen.

Druck auf Meyer steigt
Heute tagt der Verwaltungsrat der SBB. Das grösste und brisanteste Traktandum wird SBB Cargo sein. Der Entscheid über den Standort Freiburg soll heute gefällt werden. Unklar ist, ob auch über die Zukunft der SBB-Industriewerke in Biel und Bellinzona entschieden wird. Die Anzahl Stellen, die in Biel betroffen wären, ist noch offen – falls es im Seeland überhaupt so weit kommt. In Bellinzona droht ein Abbau von 200 der insgesamt 430 Stellen. Der Restrukturierung bei SBB Cargo fallen insgesamt bis zu 400 Stellen zum Opfer. Im Tessin formt sich seit der Veröffentlichung dieser Pläne grosser politischer Widerstand. Am Dienstag reiste ein Teil der Belegschaft des Industriewerks Bellinzona nach Bern, um vor dem SBB-Hauptsitz zu demonstrieren. Die Stadtregierung von Bellinzona wiederum organisierte gleichzeitig einen Protestmarsch durch die Stadt.

Gestern reisten drei Staatsräte an den SBB-Hauptsitz, um den politischen Druck bei SBB-Chef Meyer zu erhöhen. Die Tessiner forderten, dass der Verwaltungsrat den Stellenabbau in Bellinzona noch nicht beschliessen soll. Die SBB plant für den 12.März eine Medienkonferenz. Wenn der politische Druck nun noch weiter zunimmt und der Verwaltungsrat deshalb Entscheide vertagt, könnte sich dieser Termin allerdings nach hinten verschieben.

Quelle: BernerZeitung

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