Weitere Partner für SBB Cargo
SBB Cargo hat sich im Nord-Süd-Verkehr mit der Deutschen Bahn angelegt. Das zahlt sich nicht aus: Um weiter bestehen zu können, bräuchte es rasch strategische Korrekturen.

Was viele seit Jahren vermuten, wird nun zur Gewissheit: SBB Cargo hat sich die Auslandexpansion zu teuer erkauft. Das ergibt sich aus den hohen Verlusten. Die Güterverkehrstochter der Schweizer Bahn gewinnt zwar immer mehr Aufträge und steigert so laufend ihre Transportleistung. Bloss verdient sie wegen des erbitterten Preiskampfs in der Branche kaum etwas daran. Die bislang verfolgte Strategie, sich im Nord-Süd-Verkehr als eigenständige Anbieterin etablieren zu wollen, geht ganz offensichtlich nicht auf.

Bemerkenswert ist: An warnenden Stimmen hat es für einmal nicht gefehlt. Der Eisenbahnerverband weist SBB Cargo seit Jahren darauf hin, dass das forcierte Wachstum im Ausland zu schwache Erträge abwirft und die etablierten Anbieter in Rage bringt. Der Vorstoss nach Norden und Süden hat die Deutsche Bahn dazu bewogen, sich zu 20 Prozent an BLS-Cargo zu beteiligen _ und SBB Cargo mit Hilfe einer aus der Schweiz heraus operierenden Firma zu bedrängen.

Kooperation statt Konfrontation
«Allmählich wird allen klar, dass es viel gescheiter wäre, mit der Deutschen Bahn zu kooperieren, statt sie frontal anzugreifen», sagt Ernst Leuenberger, der ehemalige Präsident des Eisenbahnerverbands. Er hat sich in der Vergangenheit mehrmals für diesen Schritt stark gemacht, eckte damit aber sowohl bei Daniel Nordmann, bis im Sommer Chef von SBB Cargo, als auch bei Thierry Lalive d’Epinay an, der eben auf Ende Jahr den Rücktritt als Verwaltungsratspräsident angekündigt hat. Die Güterverkehrstochter der SBB müsse nun die Zusammenarbeit mit den grossen Anbietern der Nachbarländer intensivieren, fordert Leuenberger. «Es ist höchste Zeit, vom Alleingang Abschied zu nehmen.»

In der ersten Phase nach der Ausgliederung aus dem Konzern setzte auch SBB Cargo auf eine enge Kooperation mit ausländischen Partnern. Die Strategie wurde erst nach dem gescheiterten Joint Venture mit der Güterverkehrssparte der italienischen Bahn Ende 2000 geändert. Seither versucht SBB Cargo, mit Tochtergesellschaften in Deutschland und Italien sowie produktbezogenen Allianzen mit anderen Akteuren das Angebot im Güterverkehr zu optimieren. Eine engere Anlehnung an die Deutsche Bahn brauche man nicht, heisst es seither. SBB Cargo habe die «ideale Grösse», um erfolgreich zu wirtschaften.
Langfristig nur Platz für drei Akteure

Hinter den Kulissen haben einzelne Akteure freilich mehrmals sondiert, ob eine Anlehnung an die Deutsche Bahn möglich wäre. Lang hätte dies SBB Cargo nur als Juniorpartnerin tun können. 2005 gelang es Konzernchef Benedikt Weibel indes in Geheimverhandlungen, die Deutschen für eine Achsengesellschaft zu gewinnen, an der beide Seiten gleichberechtigt beteiligt gewesen wären. Aus Angst vor kartellrechtlichen Problemen wurde das Projekt dann aber nicht mehr weiterverfolgt. Dies zeigt: Selbst bei der SBB wünschen sich einige im Grunde mehr Kooperation, statt Konfrontation.

Dass SBB Cargo im Nord-Süd-Verkehr zuzulegen versucht, ist für ETH-Professor Ulrich Weidmann angesichts des kleinen Heimmarkts an sich verständlich. Das Geschäft werfe offenbar aber zu wenig Ertrag ab. Er rät der SBB daher, «nicht länger auf den Alleingang zu setzen». Sie müsse Kooperationsmodelle entwickeln, um das Ertragsrisiko zu mindern oder die Wertschöpfung zu steigern. «Ersteres ist durch die Anlehnung an einen finanziell starken Partner möglich, letzteres beispielsweise über die Weiterentwicklung zu einem Logistikanbieter.»

Viel Zeit, die Strategie zu korrigieren, bleibt der SBB nicht mehr. Studien zeigen, dass sich in Europa bis 2015 maximal drei Anbieter mit international zusammenhängenden Netzwerken behaupten können. Niemand geht davon aus, dass SBB Cargo dazu gehören wird. Falls die Bahn die Kosten nicht in den Griff bekommt, was über engere Kooperationen möglich ist, wird es für sie schwierig, zu überleben. Es überrascht daher nicht, dass der Bund einen Teilverkauf an Schweizer Spediteure oder ausländische Investoren neuerdings nicht mehr von vornherein ausschliesst.

Quelle: Tagesanzeiger

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