SBB-Arbeiter sind sauer

Mit dem Zuschweissen einer Weiche haben die Angestellten der SBB-Industriewerke in Bellinzona ihren Streik begonnen. Sie wollen ihren Protest erst beenden, wenn die Spitze von SBB Cargo auf den geplanten Stellenabbau verzichtet.

Unia-Sekretär Matteo Pronzini sagte vor den Medien: «Wir können so lange in Streik treten, wie wir wollen.» Ein Ende des Streiks kommt laut Pronzini erst dann in Frage, wenn die SBB zusichere, dass in Bellinzona kein einziger Job abgebaut werde.

Die Gewerkschaften des Schweizerischen Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verbands (SEV) und transfair kritisierten den Stellenabbau harsch. Der SEV warf SBB Cargo vor, keine Strategie für die Zukunft aufzuzeigen. Transfair kritisierte, das Personal zahle jetzt für Führungsfehler.

Mit Bedauern reagierten auch die Regierungen der betroffenen Kantone Tessin, Freiburg und Basel sowie der Bieler Stadtpräsident Hans Stöckli auf die Massnahmen. Im Kanton Waadt herrschte getrübte Freude über die Verlegung von 56 Stellen nach Yverdon-les-Bains.

Der Bundesrat nahm mit Enttäuschung vom Stellenabbau bei der defizitären SBB Cargo Kenntnis, wie Bundesratssprecher Oswald Sigg vor den Medien sagte. Er fordere, dass der Stellenabbau sozialverträglich und ohne Entlassungen erfolge.

Eine Teilprivatisierung, wie sie der Nutzfahrzeugverband ASTAG fordert, rückt derweil immer mehr ins Blickfeld: Auch die Departemente Leuenberger und Merz schliessen diese Möglichkeit nicht mehr explizit aus. Man warte die Vorschläge der SBB ab, sagte UVEK-Sprecher André Simonazzi auf Anfrage. Ein Totalverkauf der SBB Cargo stehe aber nicht zur Diskussion.

CVP und FDP werden sich demnächst damit befassen. Die SVP will laut Sprecher Alain Hauert auf weitere Informationen warten, ehe sie Stellung bezieht. Die SP lehnt dagegen eine Teilprivatisierung entschieden ab, wie Generalsekretär Thomas Christen sagte. Er forderte stattdessen eine Fusion von SBB und BLS. (sda)

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