Kritik und Enttäuschung über Abbaupläne von SBB Cargo
Heftige Reaktionen von Gewerkschaften und Behörden

Die Abbaupläne von SBB Cargo sind bei Behörden und Gewerkschaften auf scharfe Kritik und Enttäuschung gestossen. Unverständnis herrschte darüber, dass die Arbeiter die Zeche für Fehler des Managements bezahlen müssen. Im Tessin legten die Betroffenen die Arbeit nieder, die Gewerkschaften kündigten weitere Aktionen an.

Die Abbaupläne von SBB Cargo sind bei Behörden und Gewerkschaften auf scharfe Kritik und Enttäuschung gestossen. Unverständnis herrschte darüber, dass die Arbeiter die Zeche für Fehler des Managements bezahlen müssen. Im Tessin legten die Betroffenen die Arbeit nieder, die Gewerkschaften kündigten weitere Aktionen an.

Der Bundesrat äusserte sich über den schlechten Geschäftsgang bei SBB Cargo enttäuscht und bedauerte den Stellenabbau. Die Landesregierung erwartet von der Geschäftsleitung eine rasche Sanierung des Unternehmens und dass der Abbau gemäss geltendem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ohne Entlassungen durchgeführt werde. Die zuständigen Departemente Uvek und Finanzdepartement (EFD) forderten detaillierte Auskunft darüber, wie es zu den hohen Verlusten gekommen ist.

Die Gewerkschaft SEV forderte die SBB auf, die Entscheide zurückzunehmen. Die Grundlagen für die Entscheide müssten offen gelegt werden. Die SBB-Direktion habe ihre strategischen Aufgaben sträflich vernachlässigt und der Verwaltungsrat seine Aufsichtspflicht in keiner Weise wahrgenommen. Der SEV hat am Freitagmorgen an den betroffenen Standorten Flugblätter verteilt. Er solidarisierte sich mit den Tessiner Arbeitern, die aus Protest spontan ihre Arbeit niedergelegt haben und kündigte weitere Aktionen an. In Bellinzona soll am Samstag eine Kundgebung veranstaltet werden.

Politik hat versagt
Für die Gewerkschaft Transfair haben Managementfehler, Marktmechanismen und das Versagen der Politik zu diesem Debakel geführt. Zeige sich das Unternehmen nicht bereit, den angekündigten Kahlschlag zu überdenken, drohe die bereits aufgeheizte Situation in den Regionen zu eskalieren.

Auch für den Kaderverband des öffentlichen Verkehrs darf es nicht sein, dass die Angestellten für die Fehler des Topmanagements büssen müssen und das Unternehmen so für einen gewinnbringenden (Teil-) Verkauf ins Ausland fit getrimmt wird. Der «Fall Swiss» dürfe sich nicht wiederholen.

Die SP machte die Sparpolitik des Bundesrats und das Management der SBB für die Abbaupläne verantwortlich. Zumindest müssten die SBB Alternativlösungen zum Stellenabbau oder sozialverträgliche Vereinbarungen präsentieren.

Enttäuschte Kantone

Mit grosser Enttäuschung reagierte der Freiburger Staatsrat auf den Entscheid. Er erwartet von der SBB-Leitung, die anvisierten Kompensationen unverzüglich zu konkretisieren und will darüber wachen, dass die Betroffenen über einen guten Sozialplan verfügen werden. Bestürzt äussert sich die Regierung darüber, dass der Bundesbetrieb SBB seine soziale und regionalpolitische Verantwortung nicht wahrnehme.

Die Tessiner Regierungspräsidentin Patrizia Pesenti (sp.) forderte den Bundesrat zum Eingreifen auf. Die Landesregierung müsse über die gerechte Verteilung der staatlichen Werke auf nationaler Ebene wachen und einen drastischen Stellenabbau in einzelnen Regionen verhindern.

Erleichterung herrschte demgegenüber in Basel, auch wenn die Regierung den Arbeitsplatzabbau bedauerte. In der Summe der Massnahmen sieht der Regierungsrat ein Bekenntnis zu Basel als Logistikzentrum, wie Regierungsrat Ralph Lewin auf Anfrage sagte.

Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband Astag hält einen Strategiewechsel bei SBB Cargo für dringend notwendig. SBB Cargo müsse teilprivatisiert werden, um langfristig zu überleben.

Quelle: NZZ

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