Tausende demonstrieren in Bellinzona
Wegen Abbau bei SBB Cargo

In Bellinzona haben am Samstagnachmittag 6000 bis 8000 Personen gegen den Abbau von Arbeitsplätzen im örtlichen SBB-Werk demonstriert. Der Protestmarsch stand unter dem Motto: «Hände weg von den Industriewerken!».

In Bellinzona haben am Samstagnachmittag 6000 bis 8000 Personen gegen den Abbau von Arbeitsplätzen im örtlichen SBB-Werk demonstriert. Der Protestmarsch stand unter dem Motto: «Hände weg von den Industriewerken!».

Deren 430 Angestellte befinden sich seit Freitagmorgen im Streik. Sie fordern den Erhalt sämtlicher Stellen und wollen die Arbeit so lange niederlegen, bis das Management von SBB Cargo seine Abbaupläne rückgängig macht. Dafür stellt sich die Belegschaft auf einen langen Arbeitskampf ein.
Breite Unterstützung
Unterstützt weden die Streikenden von den Gewerkschaften und von der Tessiner Regierung. Voraussichtlich am kommenden Mittwoch wird der Staatsrat beim Bundesrat und der SBB-Spitze vorsprechen, um den Entscheid des Stellenabbaus zur Diskussion zu stellen.

Für Montag hat das Streikkomitee eine Betriebsversammlung einberufen. Dabei soll über das weitere Vorgehen sowie allfällige Protestaktionen diskutiert werden. Zudem will der Tessiner Bischof Pier Giacomo Grampa den streikenden Angestellten mit einem Besuch Mut machen.

Währenddessen hat die SBB-Führung die nach Bekanntgabe der Sanierungspläne für SBB Cargo erhobenen Vorwürfe von Missmanagement zurückgewiesen. SBB-Cargo-Leiter Nicolas Perrin sagte in einem Interview mit der «Berner Zeitung», er glaube nicht, dass die Strategie der letzten Jahre falsch gewesen sei.

«Gut positioniert»
Nach der Liberalisierung von 1999 sei die Wachstumsstrategie richtig gewesen. Mit der Bedienung der Nord-Süd-Achse könnten längere, für den Schienengüterverkehr besser geeignete Distanzen gefahren werden.

SBB Cargo habe sich in der Schweiz und im Nord-Süd-Verkehr gut positioniert. Das Unternehmen könne nun in Europa gezielt Partnerschaften eingehen und so zum Erfolg kommen. Von Missmanagement könne man nicht sprechen.

SBB-Verwaltungsratspräsident Thierry Lalive d‘Epinay sagte in einem Interview mit der Zeitung «Blick», die Leitung von SBB Cargo habe insgesamt einen guten Job gemacht. «Es gibt aber noch Sachen, die man besser machen muss.»

Tessiner nicht schuld

«Die Tessiner haben gut gearbeitet und sind nicht schuld am Abbau in Bellinzona», sagte SBB-Chef Andreas Meyer am Samstag seinerseits in der «Samstagsrundschau» von Schweizer Radio DRS. Die SBB könne sich aber die Investitionen, die nötig wären, um den Lokomotiv- Unterhalt in Bellinzona zu behalten, einfach nicht leisten.

Die Enttäuschung und die Empörung der Betroffenen könne er sehr gut nachvollziehen. Er werde sich der Situation stellen und suche mit der Tessiner Regierung derzeit einen Termin, um gemeinsam das Werk in Bellinzona zu besuchen. Er hoffe, dass in den nächsten Tagen, wenn sich die gröbste Empörung manifestiert habe, Gespräche aufgenommen werden könnten.

Kein Verkauf
Gegenüber Radio DRS betonte Meyer erneut, dass keine Pläne für einen Verkauf der SBB Cargo vorlägen. Hingegen sei die SBB-Tochter ein «heiss umworbener Kooperationspartner». Es gebe viele Interessenten, neben dem Schweizerischen Nutzfahrzeugverband Astag auch internationale.

Alle diese Optionen würden nach den Kriterien geprüft, ob der Partner einen Beitrag zur nachhaltigen strategischen Positionierung leisten, Risiken mittragen und mithelfen würde, das Geschäftsergebnis zu optimieren.

Am Freitag hatte die SBB ein Sanierungspaket für ihre Tochter SBB Cargo angekündigt, dem unter anderem 401 Stellen zum Opfer fallen sollen.

Quelle: Tagesanzeiger

Klassenkampf Unterseiten

Zurück zu Klassenkampf