Die Streikenden drohen, die Bahn lahm zu legen
Ab Mitte Woche gehen der SBB die Ersatzteile aus, sagt das Streikkomitee im Tessin.

Die streikenden Arbeiter der SBB-Werkstätten in Bellinzona wollen kein Jota von ihrer Position abweichen. Das haben sie gestern an einer Medienkonferenz bekräftigt. Und sie glauben, einen wichtigen Trumpf in den Händen zu halten, mit dem sie die SBB bald zu Zugeständnissen zwingen können. «In absehbarer Zeit werden die SBB Probleme mit den Ersatzteilenhaben», bestätigte Pietro Gianolli von der Eisenbahnergewerkschaft SEV eine Meldung der Zeitung «News». Er widersprach Aussagen von SBB-Chef Andreas Meyer, wonach sich die Bahn auf den absehbaren Streik im Tessin vorbereitet habe.

Für den grossen Unterhalt der Lokomotiven sei nur Bellinzona ausgerüstet, hiess es gestern, und für den kleinen Unterhalt kämen alle Ersatzteile aus dem Tessin. Gianolli schätzt daher, dass den SBB ab Mittwoch die Ersatzteile ausgehen könnten. Mit Wachposten sorgt das Streikkomitee dafür, dass in Bellinzona nichts geliefert oder abgeholt wird.

Die SBB mögen Gianollis Prognose so nicht bestätigen. Aber sie dementieren auch nicht. «Im Moment haben wir keinen Engpass», sagt Sprecher Roland Binz, und: «Ob die Ersatzteile zu einem Problem werden, wird sich zeigen.» Kein Thema sei es, Ersatzteile allenfalls mit Polizeigewalt zu beschaffen. «Wir setzen auf den konstruktiven Dialog und hoffen, dass in Bellinzona die Vernunft siegen wird», so Binz. Zudem müsse man die Leistungen halt anderswo beziehen.

Die SBB hätten nicht vor, das Werk in Bellinzona zu schliessen, betont Binz. Geplant sei vielmehr ein konkurrenzfähiges Unternehmen für den Unterhalt von Güterwagen mit 200 Arbeitsplätzen. «Dieser Absicht», so Binz, «ist der Streik sicherlich nicht förderlich.» Er erinnert auch daran, dass die SBB laut Gesamtarbeitsvertrag niemanden entlassen. Alle vom Stellenabbau Betroffenen würden aktiv unterstützt, bis sie einen neuen Job gefunden hätten, und das «bei vollem Lohn».

Davon wollen die Streikenden jedoch nichts wissen. Sie haben gestern jegliche Verhandlungen über Abbaumassnahmen und Sozialpläne ausdrücklich abgelehnt.

Quelle: Tagesanzeiger

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