Einstündige Protestpause bei SBB Cargo in Fribourg
Die Arbeitnehmer der SBB Cargo in Freiburg haben am Mittwoch für eine Stunde die Arbeit niedergelegt, um gegen die geplante Streichung von 165 Arbeitsstellen zu protestieren. An der Niederlegung beteiligten sich laut SEV 90 Prozent der Belegschaft.

Während der «verlängerten Pause» von 9 bis 10 Uhr hätten sich die Mitarbeiter des Call Centers zu einer ausserordentlichen Versammlung getroffen, sagte Eric Levrat, Zentralsekretär des Schweizerische Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verbands (SEV). Nur die Kader seien am Arbeitsplatz geblieben.

Die Mitarbeitenden hätten die aktuelle Situation besprochen und die Demonstration in der Freiburger Innenstadt vom Freitag geplant, präzisierte Levrat. Unterstützt wurde die Gruppe dabei von Nationalrat Jean-François Steiert (FR/SP). Dieser hat laut Levrat von einer grossen parlamentarischen Koalition gegen die Restrukturierungsmassnahmen von SBB Cargo gesprochen.

Die Angestellten seien wütend über ihre Führungsspitze und solidarisch mit den betroffenen Angestellten der SBB Cargo, sagte Levrat weiter. Es werde ein schwieriger Kampf, doch die Leitung sei unter politischem und medialem Druck. «Die Führungsspitze muss reagieren.»

Die Forderung der Mitarbeitenden des Call Centers bleibe die gleiche: Der Restrukturierungsplan müsse bis Donnerstagabend zurückgenommen werden. Angesichts des Treffens von Bundesrat Moritz Leuenberger mit der Freiburger Kantonsregierung und der SBB-Spitze fordert Levrat vom Staatsrat, keine Kompromisse einzugehen. «Die Arbeitsplätze müssen in Freiburg bleiben.»

Keine Sanktionen
Die SBB nehme die Niederlegung «zur Kenntnis» sagte SBB- Mediensprecher Roland Binz auf Anfrage. Sie habe «Verständnis» für die Betroffenheit der Angestellten. Sanktionen oder gar Entlassungen hätten die Beteiligten nicht zu befürchten.

«Im Gegenteil, wir unterstützen die Betroffenen bei der Arbeitssuche und der Weiterbildung», sagte Binz. Zudem übernehme die SBB die Lohnfortzahlung bis ein neuer Arbeitsplatz gefunden worden sei.

Urner Linke fordert «Solidarität am Gotthard»

Unterstützung erhalten die Arbeitnehmer der SBB Cargo inzwischen auch aus dem Kanton Uri. Der Urner Regierungsrat solle öffentlich den Stellenabbau beim SBB-Cargo-Standort Bellinzona kritisieren, verlangen die SP und der Gewerkschaftsbund Uri. Uri müsse «Solidarität am Gotthard» zeigen und das Tessin unterstützen.°

Nach einschneidenden Massnahmen in Erstfeld UR müsse erneut ein Standort an der Gotthardbergstrecke die Fehler der Manager ausbügeln, heisst es in der Mitteilung der Urner Linken. Der SBB- Spitze müsse gezeigt werden, dass für die jahrelange Strategielosigkeit weder das Personal noch ganze Regionen büssen sollen.

Quelle: Basler Zeitung

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