Cargo Streik: Neues Angebot der SBB
SBB-Chef Andreas Meyer offeriert den Angestellten des Cargo-Betriebs in Bellinzona die Sistierung der Abbaumassnahmen für zwei Monate, wenn im Gegenzug der Streik abgebrochen wird. Die Bahnarbeiter werden am Montag über das Angebot entscheiden.

Noch einer Verhandlungspause am frühen Abend hatte Ivan Cozzaglio vom Streikkommitee gegenüber 20minuten.ch erklärt, von einer Einigung sei man noch weit entfernt. Cozzaglio, der auch Vizebürgermeister von Biasca ist, meinte es habe sich «nichts geändert».

Der Streik im Industriewerk Bellinzona der SBB Cargo geht aller Wahrscheinlichkeit nach weiter. Die Verhandlungen der SBB-Spitze, der Gewerkschaften und der Streikenden endeten am Samstagabend in Biasca TI ohne Einigung.

Von 16 bis um 22 Uhr hatten die Parteien im Gemeindehaus des Leventiner Dorfes verhandelt, ohne dass ein Konsens erzielt werden konnte. Auf dem Tisch liegt nach wie vor der Vorschlag der SBB über einen Runden Tisch.

Wie die Gewerkschaft transfair mitteilte, will die SBB ausserdem am Montagmorgen weitere Vorschläge präsentieren. Anschliessend entscheide das Personal darüber, ob der Streik abgebrochen werde oder nicht.

Der Streik in Bellinzona werde aber wohl weitergehen, sagte Gianni Frizzo, Präsident des Streikkomitees, nach Ende der Verhandlungen. Der Vorschlag der SBB sei zu unkonkret, um in Betracht gezogen werden zu können.

Meyer: Streik muss beendet werden

SBB-Chef Andreas Meyer, der mit Cargo-Boss Nicolas Perrin in Biasca war, sprach seinerseits von einem intensiven Austausch. Er erklärte weiter, der Streik sei illegal und müsse beendet werden, wenn man eine Lösung finden wolle.

Man warte jetzt darauf, dass die Angestellten die Arbeit wieder aufnähmen. Am frühen Abend hatte sich Meyer noch überzeugt gezeigt, dass sich die Sozialpartner bereits am Samstagabend näher kommen könnten.

Weibel: Richtige Entscheide gefällt
Derweil wies Meyers Vorgänger Benedikt Weibel am Samstag die Kritik an seiner Führung der Bundesbahn entschieden zurück. Es seien die richtigen Entscheide gefällt worden – allerdings in einem schwierigen Umfeld.

«Wenn mir ein Fehler vorgeworfen wird, muss man mir sagen, was ich anders hätte machen sollen», sagte Weibel in der «Samstagsrundschau» von Schweizer Radio DRS. Als er die SBB 2006 verlassen habe, seien die Zahlen zur SBB Cargo von der Revisionsstelle abgesegnet worden.

Das sei alles, was er zum Vorwurf von Verkehrsminister Moritz Leuenberger sage. Dieser sprach davon, dass der Hauptsitz nicht gemerkt habe, in welchen Zustand die SBB Cargo sich befinde. Weibel, der zwischen 1992 und 2006 an der Spitze der SBB stand, äusserte sich gegenüber Radio DRS erstmals zur Situation bei SBB Cargo.

SBB und BLS in besonderer Situation
Bei der Liberalisierung im Jahr 1999 sei klar gewesen, dass die SBB Cargo alleine zu schwach sei, sagte Weibel weiter. Doch sowohl mit italienischen als auch mit deutschen Partnern sei – aus verschiedenen Gründen – keine Zusammenarbeit möglich gewesen. «Die Strategie war risikohaft, aber sie wurde intensiv mit dem Bund abgesprochen.»

Allerdings habe es nie eine politische Diskussion darüber gegeben, dass der Bund an zwei grossen Bahnunternehmen (SBB und BLS) beteiligt sei, die in Konkurrenz zueinander stünden. Diese Situation sei ein europäisches Unikum.

Kein SP-Filz
Zum Vorwurf aus bürgerlichen Kreisen, für die Krise bei SBB Cargo sei das Missmanagement eines SP-Filzes verantwortlich, sagte Weibel: «Nichts ist für mich unwichtiger als ein Parteibuch.»

Von Filz könne keine Rede sein, allenfalls von einem «feinen Schnürchen». Ausserdem habe der Verwaltungsrat die Entscheide abgesegnet – «der Verwaltungsrat ist alles andere als SP.»

Er sei komplett überrascht worden, als die SBB die Sanierungsmassnahmen bei SBB Cargo ankündigte, sagte Weibel weiter. Die Diskussionen um die Strategie der SBB Cargo in den letzten Wochen seien «sehr undifferenziert» geführt worden.

Quelle: 2ominuten

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